Er sucht Ihn

Er sucht Ihn

Gute Kinofilme, die ohne heterosexuellen Herzschmerz und ohne „cherchez la femme“ auskommen, und die statt dessen „Er sucht Ihn“ zum attraktiven Thema haben, sind bedauerlich rar gesät. Da stechen empfehlenswerte Produktionen, die die Lust des Mannes am Manne in den Mittelpunkt stellen, immer angenehm heraus. Aus diesem Grunde sollen hier für alle Cineasten, die den ewigen Mann-Frau-Showdown auf der Kinoleinwand leid sind, wirklich sehenswerte Empfehlungen zum Genre „Er sucht Ihn“ gegeben werden, die erfrischend frei von prämenstruellen Syndromen und anderen ewig weiblichen Komplikationen daherkommen. Also, und das beileibe nicht nur für Männer: Vorhang auf, Film ab und gute Unterhaltung!

„Er sucht Ihn“ #1: Jeffrey

Kann Sex noch Spaß machen, wenn man(n) sich von jedem neuen Spielwiesengefährten einen ganzen Aktenordner voller Gesundheitszeugnisse und Aidstestergebnisse zeigen lassen muss, bevor man das Bett zum Beben bringt? Jeffrey (Steven Weber), ein ausgesprochen attraktiver, aber leider nur mäßig erfolgreicher Schauspieler, beantwortet diese Frage für sich persönlich mit einem klaren nein, und gelobt sich selbst konsequenter Weise, nie wieder Sex zu haben. Dumm nur, dass ihm wenig später in einer Muckibude der wahr gewordene erotische feuchte Traum seiner schlaflosen Nächte begegnet: Steve (Michael T. Weiss). Und noch dümmer, dass sich dieses anbetungswürdige Mannsbild gleich ganz ehrlich als Träger des HIV-Virus outet. Jetzt sitzt Jeffrey natürlich schwer in der Patsche. Hin- und her gerissen zwischen Liebe, Sehnsucht und Todesangst fährt er mit Steve auf einer Achterbahn der Gefühle, bei der durchaus auch schon mal ein Waggon entgleist. Hätten die beiden nicht in Sterling (Patrick Stewart) einen tollen Freund, der immer für eine kultivierte Idee gut ist, dann wäre das Happy End wirklich schwer gefährdet.

Dieser Film reißt mit, berührt, verführt. Selten lagen befreites Lachen und mitleidendes Schluchzen so nah beieinander. Und selten hat man den kahlköpfigen Captain der Enterprise TNG so fluffig knuffig oberpuffig erlebt. Dieser Film ist wahrhaft nicht nur für Star Trek Fans ein Muss.

„Er sucht Ihn“ #2: In & Out – Rosa wie die Liebe

Wie fühlt sich wohl ein angesehener und gesellschaftlich wohl situierter Lehrer, der in wenigen Tagen seine Dauerverlobte heiraten wird, wenn einer seiner Schüler im Fernsehen während einer allseits beachteten Filmpreisverleihung verkündet: „… und er ist schwul“? Auf jeden Fall ist Howard Brackett (Kevin Kline) erst mal komplett geplättet. Doch je verzweifelter er versucht, den Macho Man raushängen zu lassen, desto klarer wird ihm, dass an dem Gag irgendwie doch mehr als ein Fünkchen Wahrheit dran sein muss. Klarheit schafft hier letztendlich der auch vom anderen Ufer stammende Klatschreporter Peter Malloy (Tom Selleck), als er den leicht derangierten Howard mit einem leidenschaftlichen Kuss überrumpelt; ein Kuss, der übrigens im wahren Leben nur knapp in der Oscar-Kategorie „Bester Filmkuss“ an der begehrten Trophäe vorbeigeschrammt ist.

Natürlich kriegen sich die beiden am Ende. Doch der Weg zu diesem Bund fürs Leben ist so prall gefüllt mit lauten Schenkelklopfern und leiser Nachdenklichkeit, dass man hier nicht mit vielen Worten den Filmgenuss trüben sollte. Außerdem darf man(n) sich den ewig unwiderstehlichen „Magnum“ in seiner Rolle als verliebte Nervensäge einfach nicht entgehen lassen.

„Er sucht Ihn“: Mehr, mehr, mehr!

Aber gerne! Da gäbe es beispielsweise noch den pädagogisch wertvollen „Sommersturm“ (ein Junge entdeckt seine wahre sexuelle Orientierung), den warmen Western „Brokeback Mountain“ oder die fummelbunte Klamotte „The Birdcage“. Dem Streifen „But I’m a Cheerleader – Weil ich ein Mädchen bin“ wurde bereits im WUNDERBLOG ein eigenständiger Beitrag gewidmet. Eine ziemlich vollständige Liste von Filmen mit herrlich homosexuellen Inhalten kann übrigens auf Wikipedia studiert werden.

-Carina Collany-