Demenz

Demenz

Die Vorstellung, von einer heimtückischen Krankheit mit Namen Demenz seiner kompletten Erinnerungen und damit seines ganzen Lebens grausam beraubt zu werden, ist schrecklich. Darum suchen Wissenschaftler in aller Welt sowohl nach möglichen Therapieansätzen, als auch nach einem verlässlichen Demenz Frühwarnsystem, das einer rechtzeitig einsetzenden Behandlung die besten Chancen auf Erfolg einräumt. Denn wenn die ersten Vergesslichkeiten, die ersten Gedächtnislücken und die ersten Konzentrationsstörungen am sich mental eintrübenden Horizont auftauchen, hat die Demenz ihr zerstörerisches Werk schon flächendeckend begonnen. Inzwischen hat ein französisches Forscherteam eine wertvolle Entdeckung gemacht, die einen völlig neuen diagnostischen Ansatz auf den Weg bringen könnte. Und das zu einem derart frühen Zeitpunkt im schleichenden Krankheitsverlauf, dass dies berechtigte Hoffnungen begründen könnte.

Die „befangene“ Gesundheitsbefindlichkeit als objektives Demenz Vorhersagekriterium

Ein ganzes Rudel französischer Koryphäen (siehe Quellennachweis am Ende dieses Beitrages) wollte die Frage beantworten, welche schon frühzeitig erkennbaren Marker den Facharzt für Neurologie oder den Facharzt für Psychiatrie schnellstens für die Verdachtsdiagnose Demenz hellhörig werden lassen sollten. Dabei wurde das Forscherteam auf einer Ebene fündig, die ebenso schlicht zu erheben ist, wie unproblematisch einfach abgefragt werden kann. Dazu müssen die Patienten nur dazu Stellung nehmen, wie sie selbst ihren eigenen Gesundheitszustand einstufen würden. Um das Sensationsergebnis hier schon mal kurz vorweg zu nehmen: Personen, die ihrer Gesundheit und ihrem Befinden habituell die Schulnoten „Vier minus“ oder gar „Fünf bis Sechs“ geben, tragen ein um verblüffende 70 Prozent erhöhtes Risiko, im Laufe der folgenden Jahre an Demenz zu erkranken. Eine Diagnose, an die im Moment der Befragung noch nicht mal ansatzweise zu denken war.

Demenz – Die Studie

Im Rahmen einer aufwendigen Langzeitstudie interviewte das französische Expertenteam die stolze Menge von 8.169 freiwilligen Testpersonen. Zu Beginn der Studie wurden die Probanden gebeten, sich selbst hinsichtlich des ihnen eigenen Gesundheitszustandes einzuordnen. In der Folge gingen sieben lange Jahre ins Land, in denen die Forscher immer mal wieder unaufdringlich nach dem Rechten sahen, und ihre statistischen Erhebungen vervollständigten. Es war zu konstatieren, dass von allen befragten Personen 618 im Verlauf der Studie eine Demenz entwickelten. Dabei wurden die folgenden Zusammenhänge offenbar:

  1. Diejenigen, die ihren Gesundheitszustand als gerade eben noch so ausreichend oder als ungenügend eingestuft hatten, waren von einer um 70 Prozent gesteigerten Erkrankungswahrscheinlichkeit für Demenz betroffen.
  2. Wer seine Gesundheit als ausreichend, aber eben auch nicht besser beschrieben hatte, trug immerhin noch ein um 34 Prozent gesteigertes Risiko.
  3. All jene, die mit ihrer Gesundheit so weit zufrieden waren, mussten kein gesteigertes Erkrankungsrisiko befürchten.

Wohl gemerkt: Als die Probanden ihre Gesundheit benoten sollten, waren die für Demenz typischen Frühsymptome komplett abwesend und überhaupt kein Thema. Erst Jahre später zeigten sich die fatalen Zusammenhänge. Das bedeutet, dass für einen Arzt die Tatsache, dass ein Patient sich selbst als „durch und durch schlecht zurecht“ beschreibt, ein sehr ernst zu nehmendes Alarmsignal in Sachen aufkommender kognitiver Hirnfunktionsstörungen sein sollte.

Demenz: Wo ist die Henne, wo das Ei?

Das kann man derzeit leider noch nicht sagen. Bewerten die betroffenen Menschen ihre Gesundheit schlecht, weil sie im tiefen Unterbewusstsein die Bedrohung ihrer geistigen Integrität schon herandämmern spüren? Oder kommt die Demenz einfach nur gerne zu den genuin Klagsamen? Das zu klären, wird weitere wissenschaftliche Kapazitäten beanspruchen.

-Carina Collany-

 

Wissenschaftliche Originalquelle:
C. Montlahuc, MSc, A. Soumaré, PhD, C. Dufouil, PhD, C. Berr, MD, PhD, J.-F. Dartigues, MD, PhD, M. Poncet, MD, C. Tzourio, MD, PhD and A. Alpérovitch, MD, MSc: Self-rated health and risk of incident dementia: A community-based elderly cohort, the 3C Study. Neurology, October 5, 2011 WNL.0b013e31823303e1

 

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