Die Wohnpartnerschaft, auch als „Wohnen für Hilfe“ bekannt, ist ein freiwilliger und absichtsvoller Vertrag zwischen denen, die etwas haben, und denen, die etwas brauchen. Konkret wird in der Wohnpartnerschaft die Möglichkeit angeboten, den Mietzins statt in barer Münze in freundlicher alltäglicher Unterstützung zu entrichten. Das bedeutet für aufgeschlossene Senioren die Möglichkeit, die Lebensqualität zu steigern und gleichzeitig den Anschluss an die Zukunft nicht zu verpassen. Und für hilfsbereite und freundliche junge Leute ist die Wohnpartnerschaft eine tolle Chance, den eigenen Geldbeutel mit sozialer und gesellschaftlich gelebter Verantwortlichkeit nachhaltig zu entlasten.

Der Grundgedanke der Wohnpartnerschaft

Viele Menschen im Herbst der Jahre leben heutzutage viel zu allein in viel zu großen Wohnungen. Vielleicht, weil der Tod einen Lebenspartner mit sich genommen hat. Vielleicht, weil die Kinder längst aus dem Haus sind. Oder weil ein langes und erfülltes Berufsleben niemals Raum für ein Familie gelassen hat. Die Gründe dafür, warum allein stehende Männer und Frauen in nun überdimensioniert erscheinenden Lebensräumen wohnen, sind vielfältig. Dabei gibt es allerdings in der Regel zwischen all diesen Lebensbildern die folgenden Gemeinsamkeiten:

  • Obwohl Wohnung oder Haus inzwischen viel zu groß geworden sind, möchte man die lieb gewonnene Immobilie mit all ihren kostbaren Erinnerungen dennoch nicht gegen etwas Neues Kleineres eintauschen. Überdies ist die finanzielle Situation für den gesicherten Unterhalt von Haus oder Wohnung kein Thema.
  • Dabei fallen jedoch die angemessene Pflege und Instandhaltung rein kräftemäßig immer schwerer. Insbesondere auch dann, wenn zu bewirtschaftende größere Gartenflächen mit zum Anwesen gehören.
  • Kleine Alltagshilfen, die man früher im Vollbesitz jugendlicher Körperkräfte nicht brauchte, werden für ein selbstbestimmtes Leben immer wichtiger.
  • Die menschliche Einsamkeit ist letzten Endes bedrückend.

An dieser Stelle erhebt sich die Frage, wie der in seiner zu groß und zu fordernd gewordenen Umgebung wohnende Senior das Problem freundlich lösen könnte. Jetzt kommen die jungen Leute für die Wohnpartnerschaft ist Spiel. Denn viele Menschen suchen zu Beginn ihres erwachsenen Lebens

  • angenehmen Wohnraum, den sie sich auch mit kleinstem Budget leisten können,
  • die Möglichkeit, etwas wirklich Sinnvolles in der und für die Gesellschaft zu leisten sowie
  • einen fürsorglichen „Ersatz“ für die eigenen Großeltern.

Nun kommen alle Komponenten einer erfolgreichen Wohnpartnerschaft zusammen. Der ältere Mensch bietet dem jüngeren Menschen mietfreies und gemütliches Wohnen bei sich zu Hause an und bekommt dafür im Gegenzug wertvolle Unterstützung im Alltag sowie die belebende und mental fit haltende Gesellschaft einer im prallen Leben stehenden Jugend. Besser kann eine Win-Win-Situation der Generationen nicht aussehen.

Die Voraussetzungen einer Wohnpartnerschaft

Selbstverständlich ist es nicht im Sinne einer Wohnpartnerschaft, Alt und Jung wahllos zusammenzuspannen. Denn wenn die Chemie nicht stimmt, oder die jeweiligen Bedarfsprofile der Vertragspartner nicht zusammenpassen, dann kann die Wohnpartnerschaft niemals funktionieren. Darum sollten alle, die sich für dieses Modell des Generationenvertrags ernsthaft interessieren, vorab die folgenden Punkte durchgehen:

Für die Wohn-Anbieter:

  1. Habe ich wirklich in meiner Wohnsituation den Platz übrig, den ein junger Mensch zum Wohnen brauchen würde?
  2. Kann ich es mir locker leisten, auch langfristig auf Mieteinnahmen zu verzichten?
  3. Will ich überhaupt mit einem jungen Menschen zusammenleben?
  4. Bin ich aufgeschlossen genug, um von jungen Menschen zu lernen und um sie gleichzeitig von mir lernen zu lassen?
  5. Kann und will mein junger Wohnpartner genau das für mich leisten, was ich als Gegenleistung für das mietfreie Wohnen verlangen muss? Gartenarbeit, Alltagsunterstützung, Internetnachhilfe, hier und da mal ein gemeinsames Kaffeetrinken, was auch immer?
  6. Bin ich bereit für den neuen Jubel und Trubel, den eine Wohnpartnerschaft mit sich bringen könnte?

Für die Wohnungssuchenden:

  • Will und kann ich mit einem grundsätzlich fremden älteren Menschen auf vergleichsweise engem Raum zusammenleben?
  • Ist eine Wohnpartnerschaft für mich tatsächlich eine wesentlich günstigere Alternative zur eigenen Bleibe?
  • Möchte ich von einem älteren Menschen Rat annehmen, während ich ihm gleichzeitig dies und das aus der aktuellen Gegenwart erklären soll?
  • Bin ich bereit dazu, Gartenarbeit zu verrichten, mal die Enkel zu bespaßen, das Haustier zu hüten, Einkäufe und Botengänge zu erledigen oder einen Teil meiner Freizeit mit meinem Vermieter zu verbringen?

Wenn all das optimal zusammenpasst, und wenn sich die Vertragspartner auch rein menschlich auf Anhieb prima verstehen, dann steht einer coolen WG 4.0 nichts mehr im Weg. Übrigens: In vielen Städten gibt es bereits öffentliche Beratungsstellen und Vermittlungsmöglichkeiten für das Modell der Wohnpartnerschaft. So finden Alt und Jung ganz sicher zusammen.

-Carina Collany-

 

Daniel Deppe / ONLINETEXTE.com

Daniel Deppe / ONLINETEXTE.com

ONLINETEXTE.com
Inhaber: Daniel Deppe
Im Soestkamp 11
59269 Beckum
Tel. +49 2521 8579391
Fax +49 2521 8579354